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Zwischen Bestzeit und Sabbatjahr

AUTOR: SEBASTIAN REINWAND
FOTOGRAPHIE: CHRISTIAN BRECHEIS

Gefühlt viel zu lange stand die Sportwelt aufgrund der COVID-19 Pandemie still. An Wettkämpfe und das Gefühl eine Startnummer ans Trikot zu heften war seit März nicht mehr zu denken.

Jene Athleten, für die Sport Beruf ist, reagierten völlig unterschiedlich auf diese Umstände: einige Profis trainierten hoffnungsvoll weiter, andere sind sofort in die Saisonpause übergegangen und viele Freizeitläufer hielten sich diversen Virtual Races und Challenges bei Laune. Die Olympischen Spiele und sämtliche Großveranstaltungen wurden abgesagt.

ANSPANNUNG

Knapp 4 Monate später endlich so etwas wie ein Comeback. Und eine Mischung aus Freude, Aufregung aber auch vor allem Unsicherheit. Jeder scheint mit der Zwangspause anders umgegangen zu sein. Diese ersten Wettkämpfen sind die erste Möglichkeit die Konkurrenz zu beäugen und selbst eine Standortbestimmung zu machen.

Eines dieser Events war vergangene Woche das Berlin 5K Invitational, organisiert von SCC Events. Der Start erfolgt hier fliegend mit Abstandsgebot statt dicht gedrängt auf der Linie. Jeder der exklusiven Startplätze ist mit einer kleinen Box markiert.

Der Zeitplan ist auf die Taktung der örtlichen Buslinie ausgelegt, da die Straße nicht offiziell gesperrt werden konnte. Statt einer laut jubelnden Zuschauermenge glänzt die Strecke noch durch so etwas wie Beschaulichkeit.

Auch das Führungsfahrzeug fällt eine Nummer kleiner aus, als beim Berlin Marathon, aber ebenso professionell mit Kilometer Splits und Projected Time.

Ein ebenso ursprüngliches wie skurriles Bild zeigt sich mit Racedirector Mark Milde auf dem persönlichen Fahrrad als Rennbegleitung.

Das 5K Invitational sollte für die Profis, so etwas wie der Übergang zurück in den geregelten ‘Post Corona Wettkampfbetrieb” werden. Aufatmen oder Anspannung: Die Szene hält für einen Moment den Atem an und richtet die Aufmerksamkeit auf das Geschehen.

BESTZEIT ODER SABBATJAHR

Die zwei Titelaspiranten Alina Reh und Amanal Petros hätten wohl kaum mit unterschiedlicheren Voraussetzungen anreisen können: Während Alina die Corona Pause für sich genutzt hat, um gemeinsam mit ihrem neuen Trainer André Höhne ohne Leistungsdruck neue Wege im Training zu gehen, war für Amanal die Saison schon vor Wochen gelaufen.

Er hatte bereits im Dezember die Olympianorm bei seinem sensationellen Marathon Debüt in Valencia erfüllt. Danach wollte er, im Anschluss an zwei weiteren Höhenketten in Kenia, über sowohl 5.000m wie 10.000m die Norm erfüllen, ehe er sich für eine Strecke entscheidet. Der DLV musste seine Athleten dann aber frühzeitig mit einer der letzten Maschinen aus Kenia zurück holen, das bis heute mit einem Ein- und Ausreisestopp belegt ist. Für Amanal war nach Monaten knochenharter Arbeit im Training, die Motivation ohne Ziel aber erst einmal dahin. Erst zwei Wochen vor dem 5K Invitational in Berlin hatte er wieder mit Lauftraining begonnen und wollte das Rennen als Standortbestimmung nutzen. Sichtlich gezeichnet saß er nach 14:17min am Streckenrand.

Sein nächstes Ziel sind die Olympischen Spiele 2021. Sein Training hat wieder begonnen.
Knapp überspurtet wurde Amanal überraschend von René Menzel, der mit neuer persönlicher Bestzeit unter den Deutschen Startern die Nase vorn hatte.

Gewonnen hat das Rennen aber ein Österreicher, nämlich Peter Herzog, der mit 13:54min zudem einen neuen nationalen Rekord aufstellte und im Anschluss direkt nach St. Moritz weiter reiste. Für ihn steht noch ein Trainingslager an und dann hoffentlich der Start bei der Halbmarathon Weltmeisterschaft im Oktober.

Auf Alina Rehs Auftritt waren besonders viele Fans gespannt. Nach dem Trainerwechsel und den Monaten der Vorbereitung rankten sich eine Mischung aus Ehrfurcht und Erwartung rund um ihr Rennen: war der aktuelle Deutsche Rekord zum greifen nah, oder meilenweit entfernt?

Alina Reh riskierte viel auf den ersten Kilometern, Sie wollte eben nicht nur den deutschen Rekord (15:17min), sondern ihre persönliche 5K bestzeit unter die 15min Schallmauer drücken.

Dabei schlug sie ein so hohes Tempo an, das von den männlichen Tempomachern in ihrem Lauf erstmal nicht viel zu sehen war. Nach sehr schnellen 2:54min auf dem ersten Kilometer und 3km in 8:54min wurde es dann aber hart für Alina, sehr hart. Den deutschen Rekord hat sie am Ende mit 15:22min leider knapp verfehlt.

„Genau dafür ist so ein Übergangsjahr gut, mein neuer Trainer und ich können im Training und auch im Wettkampf mal viel riskieren“ resümierte die sympathische Frohnatur von der Schwäbischen Alb. Berlin hat sie ohnehin schon lieb gewonnen, aktuell verbringt sie viel Zeit im Bundesleistungszentrum Kienbaum. Mehr Hintergrund dazu gibts im ausführlichen Auslaufen Podcast Interview.

Die Berlinerin Caterina Granz wurde, wie schon kürzlich bei den 10km, Zweite und freut sich über die schnellen Zeiten auf den Überdistanzen, schließlich ist sie ja auf den 1500m im Stadion Zuhause.

Warum 2020 auch für sie ein super Jahr zum Experimentieren ist, erfahrt ihr ebenfalls im Auslaufen Podcast.

ES GEHT ERST WIEDER RICHTIG LOS

Gelohnt hat sich die Reise nach Berlin für alle Beteiligten, ob Bestzeit oder Weckruf. Von einem Sabbatjahr kann keine Rede sein. Der Sonntag in Berlin war wenn überhaupt ein Aufatmen- die Saison 2020 fängt grade erst an und der 5K Invitational wurde zum wichtigen und lang erhofften Schritt zurück in Richtung Rennalltag und Normalität für die Profis.

Wir sind gespannt was die kommenden Wochen mit sich bringen. Klickt euch rein in das Profil dieser Mittel- und Langdistanz-Stars und verfolgt sowohl ihr Training als auch ihre Wettkämpfe.

Johannes Motschmann
Peter Herzog
René Menzel
Richard Ringer
Aaron Bienfeld
Christian Steinhammer
Timon Theurer
Valentin Pfeil
Simon Stützel

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