Der Lange Weg

Es klingt nach einem geradezu aberwitzigen Projekt: Ein Team aus 7 Athleten plant den gesamten Alpenhauptkamm vom Startpunkt Wien im äußersten Osten, bis zum Zielpunkt Nizza ganz im Westen in weniger als 40 Tagen zu überqueren- wobei mindestens 4 Athleten das Ziel erreichen müssen. Angelehnt ist diese Reise an ein Unterfangen, dass bereits 1971 von vier Österreichischen Sportler erfolgreich gemeistert wurde. Der Name des Projekt bringt es ganz einfach auf den Punkt: “Der lange Weg”.

Entlang dieser 2.000 Kilometer langen Strecke verteilen sich über 90.000m Höhenmetern und die wohl bekanntesten Gipfel des Alpenraums: Vom Grossglockner in Österreich, zur Dufourspitze in der Schweiz bis zum Mont Blanc in Frankreich. Wir hatten die Chance Philipp Reiter und David Wallmann nach ihrer Heimkehr von ihrem “Langen Weg” zu sprechen und ihre Sicht auf diese großartige Leistung zu teilen.

Vorbereitung

“Auf zwei Dinge haben wir im Vorfeld viel Zeit verwendet: Zum einen die Strecke, die so nahe wie es möglich und sinnvoll war an der historischen Route gelegen hat und bis ins Detail durchgeplant wurde.” Philipp Reiter. “Zum anderen unser Material: wirklich alles vom Handschuh, über das GPS Gerät, hin zu den Ski und Schuhen. Wir mussten uns auf ein unglaubliches Spektrum von Bedingungen einstellen: vom tiefen Winter in hochalpinem Gelände, bis hin zur Frühlingstour an der Cote d’Azur.” Philipp fügt hinzu: “Es gilt besonderer Dank allen Unterstützern, Fahrern, Helfern. Ohne euch wäre das Projekt nicht realisierbar gewesen!”

Ernährung

“Schon nach wenigen Tagen mit im Durchschnitt mehr als 10 Stunden Bewegungszeit, in denen wir den widrigsten Elementen ausgesetzt waren, wurde uns klar: Wir essen nicht alles, sondern von allem so viel wie möglich. Besonders beliebt waren neben dem Klassiker “Kaiserschmarrn” eine Mischung aus Nutella und Erdnussbutter, serviert auf Bananen. Wer braucht eigentlich Brot?” Philipp Reiter

Wetter

“Es war eine Reise der Extreme, auch was das Wetter anging. Wir hatten entweder strahlendes Kaiserwetter oder das exakte Gegenteil: Kaum Sicht und den unter Alpinisten gefürchtete "White-Out" bei dem die gesamte Umwelt in einer Masse aus konturlosem weiss verschwimmt und Orientierung quasi unmöglich wird. Besonders problematisch wird das in dem Moment an dem du versuchst, über einen Gletscher voller Spalten zu navigieren." David Wallmann

“Besonders zu erwähnen sind sicher Etappe 10 auf den Großglockner- mit Gipfelerfolg und Etappe 29 gegen Ende mit dem Versuch den Mont Blanc zu bezwingen. Leider blieb uns der Gipfelerfolg ganz knapp aufgrund des Wetter verwehrt. Laut unserem Strava Upload haben uns nur 120 Höhenmeter gefehlt.” Philipp Reiter

Team-Dynamik

Wer ein derartiges Projekt angeht und fast 40 Tage am Stück so eng aufeinander Zeit verbringt, kann sich irgendwann einfach nicht mehr verstecken. Man ist quasi mit 6 fremden Personen zwangsverheiratet. Und das gleich für 1.5 Monate.

“Ich musste mit dem Anblick dieser Füsse jeden Tag ins Bett gehen und wieder aufwachen. Wir beiden hatten das Glück, uns bereits vor der Reise sehr gut zu kennen. Wenn überhaupt hat sich dieses Abenteuer positiv auf unsere Freundschaft ausgewirkt.” Philipp Reiter

Frühaufsteher

“Auf dem letzten drittel der Strecke sind die Temperaturen so stark angestiegen, dass wir und lediglich bis um die Mittagszeit auf dem Schnee bewegen konnten, bevor das Lawinenrisiko zu hoch wurde. Als Konsequenz haben wir unseren Rhythmus um fast 6 Stunden nach vorne verlegt und sind bereits um 2 Uhr morgens aufgestanden und losgelaufen.” David Wallmann

“An einem Tag mussten wir aufgrund der Lawinenlage unsere Route reaktiv verlegen und umkehren. Was zu einem kleinen Umweg führte. Dieser “kleine Umweg” mussten wir mit 50 Kilometer wandern bezahlen. Kann man “Bewegung auf Asphalt im Skischuh" eigentlich überhaupt als “Wandern” bezeichnen? ...einer meiner härtesten Tage.” David Wallmann

Unterstützung

“Unterstützung haben wir sowohl von den Menschen entlang der Strecke erfahren, aber natürlich auch über Medien, z.B. von unseren Fans auf Strava. David hat am Rifugio E. Margaroli für ein Selfie mit dem Hüttenwirt ein riesiges Stück Apfelstrudel inklusive Kaffee umsonst bekommen. Wir waren also richtige Stars!” Philipp Reiter

Und die Moral von der Geschicht?

“Wir durften nicht nur den begehrten Rekord brechen, sondern dazu ein unglaubliches Erlebnis miteinander teilen. Wir sind heute nicht nur um jede Menge Erfahrung reicher, sondern auch um einige Freundschaften. Das Gefühl aus dem Skischuh auszusteigen und direkt ins Mittelmeer zu treten war für uns alle einzigartig.” Philipp Reiter

Und am Rande sei bemerkt, dass sich David noch am Tag der Ankunft in Nizza auf den Heimweg machte und am nächsten Tag schon wieder vor seiner Klasse im Unterricht stand. Kein Wunder also, dass er die Tage vorher so viel Gas gegeben hat.

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