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Willkommen in Rasts Revier

Die «Heatmap» des Trek Factory Profis legt‘s offen: Gregy Rasts Trainingsgebiet liegt im Herzen der Schweiz. Und mitten in seinem Revier findet am 13./14. Juni 2015 das Startwochenende der Tour de Suisse statt. Weite Teile der Renn-Strecke kennt Rast im Schlaf.

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Es regnet. Sintflutartig. Gregy Rast betritt das Dorfcafé Nussbaumer und grüsst die Bedienung. Ein Heimspiel, wohnt er doch gerade mal 500m entfernt mitten in Cham, das die Bewohner liebevoll «Chom» aussprechen. In drei Kilometer Entfernung liegt Rotkreuz, der Startort der ersten und zweiten Etappe der diesjährigen Tour de Suisse. An den ersten beiden Renntagen sowie in Sölden und am Schlusswochenende in Bern werden sich Hobbyfahrer mit den Profis messen. Rund zwei Stunden vor dem Profirennen gehen die «Jedermänner» an den Start der Tour de Suisse Challenge. Strava bietet diese Jahr allen Teilnehmern exklusiv die Chance sich eine besondere Auszeichnung zu verdienen. Alle Fahrer die mindestens eine Etappe erfolgreich beenden können sich über die “Tour de Suisse Challenge” Trophäe freuen.

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In Jeans und Pulli ginge Gregy Rast glatt als Schweizer Skilehrer durch. Leichter Sonnenbrand ziert seine Nase. Spuren der Sonnenbrille umrunden seine Augen. In der Schweiz herrschte bis zum unvermittelten Regentag Sommerwetter. «Ich habe gerade drei harte Trainingstage hinter mir», erklärt er. Rast trainierte mit Trek Team-Kollege Bob Jungels, dem 22-jährigen Luxemburger, der seit einiger Zeit in der Nähe wohnt. 35 Jahre alt ist Gregy Rast, der sich einen Capucchino gönnt. Das «Guetzli» (dt. Keks) zum Kaffee lässt er liegen. Schlank sieht er aus. 80 kg Kampfgewicht, das war einmal. Heute achtet er auf jedes Gramm.  Auch er beugt sich dem Trend der leichten Rennfahrer, schraubt am Gewicht und der Aerodynamik. «Ich habe neuerdings einen schmaleren Lenker», erzählt Rast lachend.

Die Rennen im Frühling verliefen  zufriedenstellend – bis zum Sturz seines Chefs Fabian Cancellara und dessen Bruch zweier Lendenwirbel: «Das brachte unsere Pläne zunderobsi (dt. durcheinander).» Trek Factory Racing musste umdisponieren. Und so erhielt der Helfer «Rasty», wie ihn seine Team-Kollegen nennen, an seinem Lieblingsrennen Paris-Roubaix mehr Freiheiten. Er packte die Chance. Rast fuhr in eine Fluchtgruppe, arbeitete den ganzen Tag hart an der Front und schaffte es noch auf den 20. Schlussrang. «Ein Achtungserfolg und eine Genugtuung, dass ich mich nach so einem langen und harten Rennen noch vorne halten konnte.» Am Ende aber fragte sich der Edelhelfer, ob allenfalls noch mehr drin gelegen wäre.

Gregy Rast legte nach den Frühjahrsklassikern eine Rennpause ein und fährt sich nun für die Rennen des Frühsommers warm. «Ich habe mir neue Trainingspläne erstellen lassen.» Das tönt nach grossen Zielen. Auf dem Plan stehen die Tour of Norway, Tour des Fjords, Tour de Suisse – und danach allenfalls die Tour de France. In der Schweiz hofft sein Team Trek Factory Racing auf einen Exploit von Fabian Cancellara. Im Gesamtklassement soll sich Fränk Schleck top platzieren. Und Gregy Rast? Er winkt ab. Stallorder wiegt schwerer als der Heimatschein. «Aber trotzdem ist es sehr speziell für mich, dass die Tour de Suisse in meiner engsten Heimat startet.» Richtig schwierig werde die Tour de Suisse am fünften Tag (3. Etappe des Jedermann Rennens), auf der Königsetappe nach Sölden (Österreich) und hoch zum Rettenbachgletscher. «Egal ob Profi oder Hobbyfahrer, auf der letzten knackigen Steigung hoch zum Gletscher geht‘s ans Eingemachte.»

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Angesprochen auf den Rundkurs der zweiten Etappe in Rotkreuz, hofft Gregy Rast, dass die Hobbyfahrer ihren Blick trotz der Anstrengung über den Ägeri- und Zugersee, aber auch zur Rigi  schweifen lassen. Sie heisst nicht umsonst Königin der Berge. Auf zwei knifflige Stellen macht der Profi aufmerksam. Gefährlich sei ein Teil der Abfahrt, die im Ort Steinerberg abrupt 180-Grad um die Kirche herum führe. «Rechtzeitig abbremsen und zu anderen Fahrern Abstand halten», so sein Tipp. Eine weitere Schlüsselstelle ist der Start zum Schlussanstieg hoch ins Michaelskreuz. Rast: «Du biegst von der Hauptstrasse ab und stehst praktisch vor einer Wand.» Denn von Beginn weg geht es steil hoch. «Hier sollte man seine Kräfte gut einteilen und wenn möglich etwas Druck rausnehmen.» Nach den ersten paar Serpentinen winkt eine Verschnaufpause, aber gewusst wo: «Man durchquert einen Bauernhof, genau dort wird’s 200 Meter lang etwas flacher.» Gregy Rast kennt die kleine Alpe d’Huez der Zentralschweiz wie seine Westentasche: «Hier fand in meiner Jugendzeit das jährliche Clubrennen statt.»

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Den KOM hoch zum Michaelskreuz hält seit rund einem Jahr Marcel Aregger, Profi beim Team IAM Cycling, der ebenfalls aus der Zentralschweiz stammt. Gregy Rast zieht den Hut. «13 Minuten – das ist schnell.» Er selber, alles andere als ein Bergfloh, hat nachgerechnet. «Um den KOM zu knacken, müsste ich die Strecke – heruntergebrochen auf mein Gewicht – mit durchwegs 450 Watt hochfahren.» Falls es sein Trainingsprogramm vor der Tour de Suisse noch zulassen sollte, werde er den Versuch wagen, stellt er in Aussicht. Der Blick auf Greggys Strava Profil jede Menge schnelle Zeiten: er hält aktuelle 66 KOM’s in seinem Trainings-Revier.

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Seine Trainingsdaten zeichnet Gregy Rast direkt per Smartphone über die STRAVA App auf. Sein Akku hält. «Kommt wohl auf das Gerät an», grinst er und zeigt auf sein Smartphone von Samsung, einem Sponsor von Trek Factory Racing. Demnächst werde er einen neuen SRM-Powermeter erhalten, der GPS-fähig sei. Danach will er auch die Datenfiles der Rennen hochladen. Ein Grund mehr, seinem Aktivitäten Feed auf STRAVA zu folgen.

 

P.S. Am besagten regnerischen Interviewtag sass Rast relaxed im Café und sprach von einem Erholungstag. Der Blick auf sein STRAVA-Profil zeigt, dass Gregy Rast noch am selben Nachmittag auf einer zweistündigen Trainingsrunde seine Beine etwas drehen liess (57,6km) – bei strömendem Regen.